Gebäudehülle

Vorgehängte hinterlüftete Fassade: Kosten und Aufbau

Die vorgehängte hinterlüftete Fassade ist die teuerste, aber langlebigste Art, eine Außenwand zu dämmen. Sie trennt Dämmung und Wetterschutz sauber voneinander.

Die kurze Antwort

Eine vorgehängte hinterlüftete Fassade kostet komplett 180 bis 350 Euro je Quadratmeter. Günstige Faserzementplatten liegen am unteren Rand, Klinkerriemchen und Metall am oberen. Damit ist die VHF etwa doppelt so teuer wie ein Wärmedämmverbundsystem, hält dafür aber deutlich länger und verzeiht Feuchtigkeit. Auf eine Wand mit 150 Quadratmetern kommen so 27.000 bis 52.500 Euro zusammen.

180 bis 350 Euro/m²

Gesamtpreis inklusive Unterkonstruktion, Dämmung, Bekleidung und Gerüst.

40 bis 60 Jahre

Übliche Nutzungsdauer der Bekleidung, deutlich mehr als bei einem Putzsystem.

20 Millimeter

Mindestbreite des Luftspalts nach DIN 18516-1, damit die Hinterlüftung funktioniert.

Was kostet eine vorgehängte hinterlüftete Fassade?

Der Preis entsteht aus vier Blöcken: Unterkonstruktion, Dämmung, Bekleidung und Montage. Angebote unterscheiden sich vor allem beim Material der Bekleidung und bei der Frage, ob die Unterkonstruktion aus Holz oder Aluminium besteht.

PositionPreis je Quadratmeter
Gerüst inklusive Auf- und Abbau8 bis 16 Euro
Untergrund vorbereiten, alten Putz ausbessern5 bis 20 Euro
Unterkonstruktion Holz, Konterlattung20 bis 40 Euro
Unterkonstruktion Aluminium mit Thermostoppern40 bis 75 Euro
Mineralwolle 160 bis 200 Millimeter25 bis 45 Euro
Bekleidung Faserzementplatte45 bis 90 Euro
Bekleidung Lärche oder Douglasie50 bis 110 Euro
Bekleidung HPL-Platte70 bis 130 Euro
Bekleidung Klinkerriemchen auf Trägerplatte90 bis 170 Euro
Bekleidung Aluminium- oder Zinkblech90 bis 200 Euro
Fensteranschlüsse, Laibungen, Sohlbänke15 bis 40 Euro
Energieberatung und Baubegleitung, pauschal1.500 bis 4.000 Euro je Projekt

Die Fläche rechnest du grob als Umfang mal Höhe. Fensterflächen unter zwei Quadratmetern zieht kaum ein Betrieb ab, weil die Laibung mehr Arbeit macht als die freie Fläche. Preise verstehen sich als Spannen, Stand 2026, und schwanken regional stark.

Angebotsprüfung: Lass dir Unterkonstruktion, Dämmstoffdicke, Plattenformat und Fensteranschlüsse getrennt ausweisen. Fehlt die Angabe zur Dämmdicke, ist das Angebot nicht vergleichbar.

Wie ist der Aufbau von innen nach außen?

Die VHF besteht aus vier Schichten, die jede eine eigene Aufgabe hat. Genau diese Trennung macht den Aufbau robust.

  • Unterkonstruktion: Winkel werden in der tragenden Wand verdübelt, darauf laufen Tragprofile oder Latten. Sie halten das gesamte Gewicht.
  • Dämmung: Meist Mineralwolle, zwischen die Profile geklemmt und mit Tellerdübeln gesichert. Sie liegt direkt an der Wand an.
  • Luftschicht: Der Spalt zwischen Dämmung und Bekleidung, mindestens 20 Millimeter breit, unten und oben offen.
  • Bekleidung: Die sichtbare Schale aus Platten, Brettern oder Blech. Sie hält Regen und Sonne ab, ist aber nicht luftdicht.

Wichtig sind die Lüftungsöffnungen. Unten am Sockel und oben unter der Traufe muss die Luft ein- und austreten können. Werden diese Öffnungen zugeputzt oder mit Insektengitter zu fein verschlossen, steht die Luft. Dann geht der wichtigste Vorteil des Systems verloren.

VHF oder WDVS: was passt zu deinem Haus?

Beide Systeme dämmen gleich gut, wenn die Dämmstoffdicke stimmt. Der Unterschied liegt in Bauphysik, Lebensdauer und Preis.

KriteriumVHFWDVS
Preis je Quadratmeter180 bis 350 Euro120 bis 200 Euro
Nutzungsdauer Bekleidung40 bis 60 Jahre25 bis 40 Jahre
Umgang mit Feuchtetrocknet über die Luftschicht abFeuchte muss durch den Putz
Algen und Veralgungselten, weil die Oberfläche trocknethäufiger Grund für Nacharbeit
Aufbaudicke gesamt24 bis 32 Zentimeter18 bis 24 Zentimeter
Einzelne Platte tauschbarjanein
Eignung bei feuchtem Mauerwerkgutkritisch

Für ein normales Einfamilienhaus mit trockener Wand ist ein Wärmedämmverbundsystem meist die wirtschaftlichere Wahl. Was das kostet, zeigt der Beitrag zum Dämmen der Fassade. Die VHF spielt ihre Stärke dort aus, wo die Wand feucht ist, wo Schlagregen von Westen kommt oder wo die Optik gestalterisch anspruchsvoll werden soll.

Welche Bekleidung passt zu welchem Haus?

Faserzement ist der Standard: formstabil, nichtbrennbar, in vielen Farben und Formaten zu haben. Große Platten wirken ruhig, kleine Schindeln eher rustikal.

Holz ist wärmer im Auftritt und ökologisch attraktiv. Lärche und Douglasie kommen ohne Anstrich aus, vergrauen aber ungleichmäßig. Wer eine gleichmäßige Farbe will, muss alle sechs bis zehn Jahre nachbehandeln. Rechne diesen Aufwand von Anfang an mit ein.

Klinkerriemchen auf einer Trägerplatte sehen aus wie eine Ziegelfassade, wiegen aber deutlich weniger. Der Preis liegt hoch, dafür ist die Oberfläche praktisch wartungsfrei. Metall in Form von Aluminium, Zink oder Stahlkassetten ist die langlebigste Variante und die teuerste. Bei Dellen durch Hagel oder Ballwurf lässt sich eine einzelne Kassette tauschen.

Wie sicher sind Feuchteschutz und Brandschutz?

Der Feuchteschutz ist die eigentliche Stärke des Systems. Regen, der hinter die Bekleidung gelangt, läuft an der Rückseite ab und wird von der Luftschicht abgeführt. Wasserdampf aus dem Innenraum wandert durch die Dämmung und wird ebenfalls abtransportiert. Deshalb bleibt der Aufbau auch dann trocken, wenn die alte Wand Restfeuchte hat.

Beim Brandschutz kommt es auf die Gebäudeklasse an. Bei einem freistehenden Ein- oder Zweifamilienhaus sind die Anforderungen niedrig. Bei höheren Gebäuden verlangen die Landesbauordnungen nichtbrennbare Dämmstoffe und Brandsperren in jeder Geschossebene. Mineralwolle erfüllt das ohne Zusatzmaßnahme, eine Holzbekleidung braucht dann eine gesonderte Betrachtung. Frag deinen Planer nach dem Verwendbarkeitsnachweis des Systems, bevor du dich für eine Optik entscheidest.

Gibt es Förderung und wann rechnet sich das?

Die Dämmung der Außenwand ist als Einzelmaßnahme der Bundesförderung für effiziente Gebäude grundsätzlich zuschussfähig. Gefördert wird die Dämmwirkung, nicht die Optik der Bekleidung. Voraussetzung ist ein Antrag vor der Beauftragung und ein eingebundener Energieeffizienz-Experte.

Wichtig: Wir nennen hier bewusst keine Prozentsätze. Fördersätze, Boni und technische Mindestanforderungen ändern sich regelmäßig und teils unterjährig. Prüfe den aktuellen Stand vor jeder Entscheidung direkt beim BAFA oder bei deinem Energieberater. Alle Angaben hier stehen unter Änderungsvorbehalt. Welche Wege es sonst gibt, zeigt die Übersicht zur Förderung der energetischen Modernisierung. Wer keinen Zuschuss beantragt, kann die Handwerkerleistung alternativ über den Steuerbonus nach Paragraf 35c geltend machen. Beides zusammen für dieselbe Maßnahme geht nicht.

Die Amortisation allein über die Heizkosten dauert lang. Eine ungedämmte Massivwand aus den 1960er-Jahren verliert je nach Aufbau grob 1,2 bis 1,6 Watt je Quadratmeter und Kelvin. Nach der Dämmung liegt der Wert bei 0,2 oder darunter. Das spart real Heizenergie, rechnet sich bei VHF-Preisen aber selten unter 20 Jahren. Der zweite Nutzen zählt genauso: eine trockene Wand, ein warmer Innenputz und ein deutlich höherer Immobilienwert.

Für welche Häuser lohnt sich der Aufbau?

Vier Fälle sprechen klar für die VHF. Erstens die schlagregenbelastete Wetterseite, an der ein Putzsystem immer wieder aufreißt. Zweitens Mauerwerk mit Restfeuchte, das Zeit zum Austrocknen braucht. Drittens Fassaden, die schon einmal veralgt sind und dauerhaft Ruhe bekommen sollen. Viertens Häuser, bei denen ohnehin ein aufwendiger Neuaufbau ansteht.

Dagegen sprechen enge Grundstücksgrenzen, weil der Aufbau bis zu 32 Zentimeter aufträgt. Auch der Dachüberstand muss passen. Reicht das Dach nach der Dämmung nicht mehr über die neue Fassadenebene, wird eine Traufverlängerung nötig, und die kostet schnell 3.000 bis 8.000 Euro. Wann die Fassade im Gesamtprojekt an der Reihe ist, klärt die Übersicht zur richtigen Reihenfolge der Modernisierung.

Häufige Fragen

Kann ich eine VHF selbst montieren?

Die Unterkonstruktion ist tragendes Bauteil und muss verankert und statisch nachgewiesen sein. Eigenleistung ist höchstens beim Zuarbeiten sinnvoll. Montagefehler zeigen sich erst bei Sturm.

Wie lange dauert die Montage an einem Einfamilienhaus?

Bei 150 Quadratmetern Fassade rechnest du mit zwei bis vier Wochen. Gerüst, Untergrund, Unterkonstruktion, Dämmung und Bekleidung folgen aufeinander. Regen bremst nur die Vorarbeiten.

Muss die alte Fassade vorher abgeschlagen werden?

Meist nicht. Loser Putz wird entfernt, der Rest bleibt liegen. Entscheidend ist, dass der Untergrund die Dübel der Unterkonstruktion sicher trägt.

Brauche ich für eine VHF eine Baugenehmigung?

Für die Dämmung selbst in der Regel nicht. Grenzabstände, Gestaltungssatzungen und Denkmalschutz können das ändern. Ein Anruf beim Bauamt klärt es vorab.

Nisten Vögel oder Insekten in der Luftschicht?

Nur wenn die Öffnungen ungeschützt bleiben. Lüftungsgitter mit fünf bis sechs Millimeter Maschenweite halten Tiere fern und lassen die Luft trotzdem durch.

Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Preise als Spannen, Angaben ohne Gewähr · Fördersätze und Landesbauordnung vor der Beauftragung prüfen.

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