Heizsysteme
Infrarotheizung: Stromkosten im Einfamilienhaus
Ein unsaniertes Einfamilienhaus verheizt mit Infrarot schnell 6.000 bis 9.000 Euro Strom im Jahr. Ein gut gedämmtes Haus bleibt unter 2.500 Euro. Der Unterschied liegt allein an der Gebäudehülle.
Die kurze Antwort
Eine Infrarotheizung wandelt jede Kilowattstunde Strom in genau eine Kilowattstunde Wärme um. Der Stromverbrauch entspricht also eins zu eins dem Heizwärmebedarf des Hauses. Bei 140 Quadratmetern und einem üblichen Altbaubedarf sind das 20.000 bis 25.000 Kilowattstunden im Jahr. Als alleinige Heizung im Bestand ist Infrarot deshalb fast immer die teuerste Lösung. In sehr gut gedämmten Häusern und in Einzelräumen sieht die Rechnung anders aus.
Eine Kilowattstunde Strom ergibt eine Kilowattstunde Wärme. Mehr geht physikalisch nicht.
Spannweite des Heizwärmebedarfs zwischen Neubau und unsaniertem Altbau.
Jahresstromkosten für 140 Quadratmeter, je nach Dämmstandard.
Wie viel Strom braucht eine Infrarotheizung je Quadratmeter?
Die Stromkosten einer Infrarotheizung im Einfamilienhaus lassen sich einfacher rechnen als bei jedem anderen Heizsystem. Es gibt keinen Wirkungsgrad, den man schätzen müsste, und keine Jahresarbeitszahl. Der Verbrauch entspricht dem Wärmebedarf.
Entscheidend ist deshalb eine einzige Zahl: der Heizwärmebedarf deines Hauses in Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr. Sie steht im Energieausweis oder ergibt sich aus deiner letzten Gasabrechnung, geteilt durch die beheizte Fläche.
| Gebäudezustand | Bedarf je m² und Jahr | Verbrauch bei 140 m² | Stromkosten bei 0,35 €/kWh |
|---|---|---|---|
| Altbau, ungedämmt, alte Fenster | 170 bis 250 kWh | 23.800 bis 35.000 kWh | 8.300 bis 12.250 € |
| Altbau, teilsaniert | 100 bis 150 kWh | 14.000 bis 21.000 kWh | 4.900 bis 7.350 € |
| Neubau nach heutigem Standard | 45 bis 70 kWh | 6.300 bis 9.800 kWh | 2.200 bis 3.430 € |
| Effizienzhaus 40 oder Passivhaus | 15 bis 35 kWh | 2.100 bis 4.900 kWh | 735 bis 1.715 € |
Die zweite wichtige Zahl ist die Heizlast, also die Leistung in Watt, die ein Raum am kältesten Tag braucht. Im Bestand liegt sie bei 60 bis 100 Watt je Quadratmeter, im Neubau bei 25 bis 40 Watt. Ein 20 Quadratmeter großes Zimmer im Altbau braucht damit 1.200 bis 2.000 Watt Paneelleistung.
Stromkosten im Einfamilienhaus: die ehrliche Jahresrechnung
Ein Beispiel mit konkreten Zahlen. Das Haus hat 140 Quadratmeter, Baujahr 1975, neue Fenster, aber ungedämmte Fassade. Der Bedarf liegt bei rund 140 Kilowattstunden je Quadratmeter.
Das ergibt 19.600 Kilowattstunden Heizwärme im Jahr. Bei einem Haushaltsstrompreis von 35 Cent sind das 6.860 Euro allein fürs Heizen. Dazu kommt der übrige Haushaltsstrom.
Warmwasser ist in dieser Zahl noch nicht enthalten. Für einen Vier-Personen-Haushalt kommen dafür 2.000 bis 3.000 Kilowattstunden dazu, wenn ein Durchlauferhitzer oder Boiler elektrisch arbeitet. Das sind weitere 700 bis 1.050 Euro.
Wer solche Beträge erwartet, sollte vorher die Gebäudehülle prüfen. Wie sich der Bedarf durch Dämmung und Fenster senken lässt, zeigt der Beitrag zur Verbesserung der Energieeffizienzklasse.
Infrarotheizung gegen Wärmepumpe und Gasheizung
Der Vergleich muss beide Seiten zeigen: die Anschaffung und den Betrieb. Bei Infrarot ist die Anschaffung konkurrenzlos günstig, der Betrieb konkurrenzlos teuer. Bei der Wärmepumpe ist es genau umgekehrt.
| System | Anschaffung Einfamilienhaus | Strom oder Gas pro Jahr | Jahreskosten Energie |
|---|---|---|---|
| Infrarotheizung, 10 bis 14 Paneele | 3.000 bis 7.000 € | 19.600 kWh Strom | etwa 6.900 € |
| Luft-Wasser-Wärmepumpe, JAZ 3,2 | 25.000 bis 40.000 € vor Förderung | etwa 6.100 kWh Strom | etwa 1.700 € |
| Gas-Brennwertkessel | 9.000 bis 16.000 € | etwa 21.800 kWh Gas | etwa 2.400 € |
| Pelletkessel | 22.000 bis 35.000 € | etwa 4,4 Tonnen Pellets | etwa 1.700 € |
Gerechnet wurde mit 35 Cent je Kilowattstunde Haushaltsstrom, 28 Cent für Wärmepumpenstrom und 11 Cent je Kilowattstunde Gas. Energiepreise schwanken stark, deshalb sind das Anhaltspunkte und keine Prognose. Setze für deine eigene Rechnung die Preise deines Versorgers ein.
Der Unterschied summiert sich schnell. Über 20 Jahre trennen Infrarot und Wärmepumpe im Beispiel mehr als 100.000 Euro Betriebskosten. Damit ist der Vorsprung beim Anschaffungspreis nach etwa vier Jahren aufgebraucht. Eine vollständige Kostenübersicht liefert der Beitrag zu den Kosten einer neuen Heizung.
Warum der Dämmstandard über die Stromkosten entscheidet
Bei jeder anderen Heizung federt die Anlagentechnik einen Teil des schlechten Dämmstandards ab. Eine Wärmepumpe macht aus einer Kilowattstunde Strom drei Kilowattstunden Wärme. Ein hoher Bedarf schlägt dort also nur zu einem Drittel auf die Rechnung durch.
Bei Infrarot gibt es diesen Puffer nicht. Jede zusätzliche Kilowattstunde Wärmebedarf kostet eine volle Kilowattstunde Strom zum vollen Haushaltstarif. Deshalb wirkt sich jede Schwachstelle der Hülle sofort und ungebremst aus.
Wer über Infrarot als Hauptheizung nachdenkt, sollte deshalb zuerst Dach und oberste Geschossdecke prüfen. Was das kostet, steht im Beitrag zu den Kosten der Dachdämmung.
Was das Gesetz zum Einbau einer Stromdirektheizung verlangt
Eine Infrarotheizung ist rechtlich eine Stromdirektheizung. Das Gebäudemodernisierungsgesetz, bis Juli 2026 Gebäudeenergiegesetz genannt, regelt ihren Einbau in bestehende Gebäude in § 46 GModG.
Danach darf eine Stromdirektheizung in ein bestehendes Gebäude mit Wohnungen nur eingebaut werden, wenn das Gebäude die gesetzlichen Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz um mindestens 30 Prozent unterschreitet. Es muss also deutlich besser gedämmt sein, als die Vorschrift verlangt.
Zwei Ausnahmen stehen ausdrücklich im Gesetz. Die Regel gilt nicht für Gebäude mit höchstens zwei Wohnungen, von denen der Eigentümer eine selbst bewohnt. Und sie gilt nicht, wenn eine vorhandene Einzelraum-Stromdirektheizung ausgetauscht wird.
Diese Zusammenfassung ersetzt keine Rechtsberatung. Ob dein Vorhaben unter eine Ausnahme fällt, entscheidet im Zweifel die zuständige Behörde deines Bundeslandes.
Wie viel Heizstrom die Photovoltaik wirklich deckt
Hier liegt der größte Denkfehler in der Werbung für Infrarotheizungen. Der Heizbedarf entsteht von November bis März. Genau dann liefert eine Photovoltaikanlage in Deutschland ihren geringsten Ertrag.
Eine 10-Kilowatt-Anlage erzeugt im Dezember oft nur 200 bis 350 Kilowattstunden im ganzen Monat. Der Heizbedarf des Beispielhauses liegt in derselben Zeit bei rund 3.500 Kilowattstunden. Der Deckungsgrad bleibt einstellig.
Über das ganze Jahr gerechnet deckt eine übliche Anlage mit Speicher grob 10 bis 25 Prozent des Heizstroms. Der Rest kommt aus dem Netz, zum vollen Tarif und ausgerechnet in den Monaten mit den höchsten Börsenpreisen.
Wo sich eine Infrarotheizung tatsächlich lohnt
Als Ergänzung ist Infrarot eine gute Technik. Die Paneele reagieren schnell, brauchen keine Leitungen und kosten wenig in der Anschaffung. Genau darin liegt ihr Vorteil.
- Im Bad als Zusatzwärme für die halbe Stunde am Morgen, wenn die Fußbodenheizung zu träge ist.
- Im Gästezimmer oder Hobbyraum, der nur wenige Tage im Jahr geheizt wird.
- Im Anbau oder Wintergarten, wo eine Leitung vom Heizraum unverhältnismäßig teuer wäre.
- Im Ferienhaus, das frostfrei gehalten und nur zeitweise genutzt wird.
- Im Passivhaus, dessen Heizlast so klein ist, dass sich keine Wasserheizung rechnet.
In allen diesen Fällen zählt nicht der Preis je Kilowattstunde, sondern die geringe Zahl an Betriebsstunden. Wer ein Paneel 200 Stunden im Jahr laufen lässt, zahlt kaum mehr als 50 Euro Strom. Welche Kombination im Gesamthaus sinnvoll ist, ordnet der Beitrag zum Modernisieren der Heizung ein.
Häufige Fragen
Wie viel Watt Infrarotheizung braucht ein Raum?
Rechne im Bestand mit 60 bis 100 Watt je Quadratmeter, im Neubau mit 25 bis 40 Watt. Ein 20-Quadratmeter-Zimmer im Altbau braucht also rund 1.500 Watt.
Sind Infrarotheizungen sparsamer als Nachtspeicheröfen?
Im Verbrauch kaum, beide wandeln Strom eins zu eins in Wärme. Infrarot regelt schneller und heizt gezielter, spart dadurch aber nur einen kleinen einstelligen Prozentbereich.
Lohnt sich ein spezieller Stromtarif für Infrarotheizungen?
Meist nicht. Vergünstigte Wärmetarife setzen in der Regel eine steuerbare Verbrauchseinrichtung mit eigenem Zähler voraus. Frag deinen Netzbetreiber, bevor du planst.
Kann ich Infrarotpaneele selbst anschließen?
Steckerfertige Geräte darfst du selbst aufhängen. Fest angeschlossene Paneele und neue Stromkreise gehören in die Hand einer Elektrofachkraft, sonst erlischt der Versicherungsschutz.
Wird eine Infrarotheizung gefördert?
Als Hauptheizung in der Regel nicht, weil sie die Anforderungen der Heizungsförderung nicht erfüllt. Prüfe den aktuellen Stand vor der Planung bei der KfW und beim BAFA.
Zuletzt aktualisiert: September 2026 · Energiepreise und Verbrauchswerte als Spannen, Angaben ohne Gewähr · Gesetzeslage und Fördersätze ändern sich, vor der Beauftragung prüfen.
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