Gebäudehülle

Innendämmung im Altbau: Schimmel sicher vermeiden

Innendämmung hat den Ruf, Schimmel zu erzeugen. Das stimmt nur, wenn der Aufbau falsch gewählt ist oder die Anschlüsse nicht dicht sitzen.

Die kurze Antwort

Schimmel entsteht bei einer Innendämmung, wenn warme Raumluft hinter die Dämmung gelangt und dort an der kalten Wand kondensiert. Verhindern lässt sich das auf zwei Wegen: mit einer luftdicht verklebten Dampfbremse oder mit einem kapillaraktiven System aus Kalziumsilikat oder Holzfaser, das Feuchte aufnimmt und wieder abgibt. Entscheidend sind saubere Anschlüsse an Decke, Boden, Innenwänden und Fensterlaibungen. Ab etwa 6 Zentimetern Dämmstärke gehört ein rechnerischer Feuchteschutznachweis dazu.

60 bis 160 Euro je m²

Kosten inklusive Untergrund, Dämmplatte und Oberputz, je nach System.

4 bis 8 Zentimeter

Übliche Dämmstärke im Altbau. Mehr kühlt das Mauerwerk stärker aus.

5 bis 20 Prozent

Realistische Einsparung beim Heizverbrauch, abhängig von der gedämmten Fläche.

Warum verschiebt Innendämmung den Taupunkt nach innen?

Eine Außenwand wird bisher von innen mitgeheizt. Sobald eine Innendämmung davor sitzt, kommt diese Wärme nicht mehr an. Das Mauerwerk bleibt im Winter deutlich kälter als vorher. Die Grenzschicht zwischen Dämmung und Wand liegt dann oft unter der Taupunkttemperatur.

Ein Beispiel macht das greifbar. Raumluft mit 20 Grad und 50 Prozent Luftfeuchte gibt ihr Wasser ab, sobald sie auf eine Fläche unter etwa 9 Grad trifft. Genau diese Temperatur herrscht bei Frost hinter einer 6 Zentimeter starken Dämmung. Erreicht die Raumluft diese Stelle, fällt dort Wasser aus, das niemand sieht.

Daraus folgen zwei mögliche Strategien. Entweder du hältst die feuchte Luft komplett von der Wand fern. Oder du wählst einen Aufbau, der anfallende Feuchte aufnimmt und im Sommer wieder abgibt. Beide Wege funktionieren, mischen darfst du sie nicht.

Dampfbremse, Dampfsperre oder kapillaraktive Dämmung?

Die Wahl des Systems entscheidet über das Schimmelrisiko stärker als die Dämmstärke.

SystemPrinzipKosten je m²Hinweis
Dampfsperre aus PE-Folie mit Mineralwollehält Feuchte vollständig zurück60 bis 100 EuroJede Schraube und jede Steckdose ist ein Leck. Im Altbau kaum noch empfohlen.
Feuchtevariable Dampfbremse mit Mineralwollebremst im Winter, trocknet im Sommer nach innen70 bis 120 EuroAlle Stöße und Ränder müssen luftdicht verklebt sein.
Kalziumsilikatplattekapillaraktiv, nimmt Feuchte auf und gibt sie ab90 bis 160 EuroMineralisch und alkalisch, dadurch schimmelhemmend. Geringere Dämmwirkung je Zentimeter.
Holzfaserplatte mit Lehmputzkapillaraktiv, gute Wärmespeicherung90 bis 150 EuroBewährt im Fachwerk, verbessert auch den sommerlichen Hitzeschutz.
Polyurethan-Verbundplattedampfdicht, sehr dünner Aufbau70 bis 120 EuroHohe Dämmwirkung bei wenig Platzverlust, dafür sind die Anschlüsse besonders kritisch.

Kapillaraktive Systeme verzeihen kleine Ausführungsfehler. Sie sind der sichere Weg, wenn du ohne Blower-Door-Test und ohne perfekte Folienverklebung arbeitest. Wer die volle Dämmwirkung braucht, kommt an einer sauber verklebten Dampfbremse nicht vorbei.

Wo entstehen die Wärmebrücken, die Schimmel auslösen?

Die Fläche ist selten das Problem. Schäden entstehen an den Rändern, wo die Dämmung endet.

  • Balkenköpfe der Holzbalkendecke. Der Klassiker im Altbau. Die Balken liegen im Mauerwerk und kühlen nach der Dämmung stark ab. Feuchte sammelt sich am Holz.
  • Einbindende Innenwände. Sie leiten Kälte in den Raum. Übliche Lösung ist ein Dämmkeil, der 50 bis 80 Zentimeter weit an der Innenwand entlanggeführt wird.
  • Fensterlaibungen. Hier bleiben oft nur 2 bis 3 Zentimeter Platz. Ungedämmt wird die Laibung zur kältesten Stelle im Raum.
  • Heizkörpernischen und Rollladenkästen. Dünne Restwandstärken kühlen besonders schnell aus.
Merke: Eine Innendämmung ohne mitgedämmte Laibungen verschiebt den Schimmel nur an eine andere Stelle. Plane die Anschlussdetails, bevor du die erste Platte kaufst.

Wann ist Innendämmung im Altbau die einzige Option?

Von außen zu dämmen ist bauphysikalisch fast immer besser. Es gibt aber Fälle, in denen das ausscheidet.

Bei sichtbarem Fachwerk und bei denkmalgeschützten oder erhaltenswerten Fassaden mit Stuck, Zierklinker oder Gesimsen darf die Ansicht nicht verändert werden. Bei Grenzbebauung ohne Überbaurecht fehlt schlicht der Platz für ein Wärmedämmverbundsystem. Auch wenn nur eine einzelne Wohnung im Mehrfamilienhaus saniert wird, bleibt die Innendämmung übrig. Und bei Räumen, die selten genutzt werden, heizt sie schneller auf als jede Außendämmung.

Wenn die Fassade dagegen frei zugänglich und ohne Auflagen ist, vergleiche zuerst die Zahlen für eine Dämmung der Fassade von außen. Häufig ist auch die Dämmung des Dachs der wirksamere erste Schritt.

Was kostet Innendämmung je Quadratmeter?

Die Materialkosten sind nur ein Teil der Rechnung. Untergrundvorbereitung und Anschlussdetails machen oft ein Drittel aus.

PositionPreis
Altputz abschlagen, Untergrund egalisieren15 bis 35 Euro je m²
Kalziumsilikatplatte 50 mm inklusive Kleber und Putz90 bis 160 Euro je m²
Mineralwolle in Ständerkonstruktion mit Dampfbremse und Beplankung70 bis 120 Euro je m²
Holzfaserplatte mit Lehmputz90 bis 150 Euro je m²
Fensterlaibungen dämmen25 bis 60 Euro je lfd. Meter
Balkenköpfe fachgerecht ausbilden120 bis 300 Euro je Stück
Feuchteschutznachweis durch einen Fachplaner300 bis 900 Euro
Energieberatung mit Sanierungsfahrplan800 bis 1.700 Euro

Zur Einsparung: Eine ungedämmte Vollziegelwand liegt bei einem U-Wert um 1,4 W/(m²K). Mit 60 Millimetern Innendämmung sinkt er auf etwa 0,4 bis 0,5. Werden nur einzelne Wände gedämmt, sinkt der Heizverbrauch des Hauses um 5 bis 10 Prozent. Sind alle Außenwände erfasst, sind 15 bis 20 Prozent realistisch. Höhere Versprechen halten der Praxis selten stand, weil Dach, Fenster und Heizung weiter Verluste erzeugen.

Für energetische Einzelmaßnahmen gibt es Zuschüsse über das BAFA. Dabei gelten technische Mindestanforderungen an den erreichten U-Wert, für Fachwerk und Denkmal sind Ausnahmen vorgesehen. Sätze und Bedingungen ändern sich regelmäßig, prüfe sie vor der Antragstellung auf bafa.de und in der Übersicht zur Förderung der energetischen Modernisierung. Der Antrag muss vor dem Auftrag gestellt sein.

Wann brauchst du einen Feuchteschutznachweis?

Zwei Rechenverfahren sind üblich. Das Glaser-Verfahren nach DIN 4108-3 rechnet stationär mit festen Normwerten. Es reicht für einfache, diffusionsdichte Standardaufbauten. Bei kapillaraktiven Systemen zeigt es zu ungünstige Ergebnisse, weil es den Feuchtetransport in der Platte nicht abbildet.

Die hygrothermische Simulation, meist als WUFI bekannt, rechnet über mehrere Jahre mit echten Wetterdaten, Schlagregen und Sonneneinstrahlung. Sie ist der Standard, sobald es unsicher wird.

Einen Nachweis brauchst du in diesen Fällen: bei Dämmstärken über etwa 6 Zentimetern, bei kapillaraktiven Systemen, im Fachwerk, bei stark schlagregenbeanspruchten Wetterseiten, bei Holzbalkendecken in der Außenwand und immer dann, wenn der Aufbau vom anerkannten Regelfall abweicht. Die 300 bis 900 Euro dafür sind gut angelegt. Ein Schaden hinter der Dämmung kostet ein Vielfaches.

Häufige Fragen

Wie dick darf eine Innendämmung maximal sein?

In der Praxis liegen 4 bis 8 Zentimeter im sicheren Bereich. Mehr Dämmung kühlt das Mauerwerk stärker aus und erhöht das Feuchterisiko. Über 6 Zentimetern gehört eine Berechnung dazu.

Kann ich Innendämmung selbst anbringen?

Kalziumsilikatplatten sind für geübte Heimwerker machbar. Kritisch bleiben die Anschlüsse an Decke, Boden und Fenstern. Ein einziger undichter Übergang macht den gesamten Aufbau wirkungslos.

Muss ich nach der Dämmung anders lüften?

Ja. Die Wand puffert weniger Feuchte, deshalb steigt die Luftfeuchte im Raum schneller an. Zweimal täglich Stoßlüften ist Pflicht, sicherer ist eine kleine Lüftungsanlage.

Hilft Innendämmung gegen bestehenden Schimmel?

Nur wenn die Ursache eine zu kalte Wandoberfläche war. Bei aufsteigender Feuchte oder undichten Leitungen verschlimmert die Dämmung den Schaden. Kläre erst die Ursache, dann dämme.

Welche Dämmung eignet sich für Fachwerk?

Kapillaraktive Systeme aus Holzfaser oder Kalziumsilikat, kombiniert mit Lehmputz. Sie nehmen Feuchte auf und geben sie wieder ab. Dampfdichte Folien gelten im Fachwerk als bekanntes Schadensrisiko.

Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Angaben ohne Gewähr · Fördersätze vor Antragstellung prüfen.

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